{"id":3547,"date":"2017-06-08T02:19:56","date_gmt":"2017-06-08T02:19:56","guid":{"rendered":"https:\/\/mugwortborn.com\/project\/episode-ten-mum\/"},"modified":"2026-08-28T22:49:30","modified_gmt":"2026-08-28T22:49:30","slug":"episode-ten-mum","status":"publish","type":"project","link":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/project\/episode-ten-mum\/","title":{"rendered":"Episode 10: Mama"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_209\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-209\" class=\"wp-image-209 size-full\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DJK-debating-copy.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DJK-debating-copy.jpg 720w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DJK-debating-copy-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-209\" class=\"wp-caption-text\"><em>Debattieren<\/em><\/p><\/div>\n<p>Als Teenager studierte ich fast ein Jahrzehnt lang buddhistische Philosophie, auch wenn ich dabei vielleicht nicht viel gelernt habe. Es gelang mir jedoch, eine hohe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr den skeptischen Geist zu entwickeln, was mich engstirnig werden lie\u00df. Meine Studien machten mich arrogant und vernebelten meine reine Wahrnehmung. Ich begann, Skeptiker zu idealisieren, die an Aberglauben, Segen und Hingabe zweifelten. H\u00e4tte ich damals gewusst, wer Erich Fromm und Nietzsche waren, h\u00e4tte ich sie wahrscheinlich auf dasselbe Podest gestellt wie Shakyamuni.<\/p>\n<p>Als ich am Sakya College studierte, schimpfte mein Vater immer wieder mit mir, weil ich meine Zeit mit all dieser Logik und Philosophie verschwendete. Ich verstand das nicht. Jeder andere Vater w\u00e4re doch gl\u00fccklich gewesen, einen Sohn zu haben, der sich so sehr ins Studium st\u00fcrzte. Jahre sp\u00e4ter wurde mir klar: Diese Schelte kam von jemandem, der die Blindheit der Logik verstand und den Wert der Praxis zu sch\u00e4tzen wusste.<\/p>\n<p>So entwickelte ich die Angewohnheit, auf Dinge, die sich nicht mit Logik erkl\u00e4ren lie\u00dfen, herabzuschauen. Gl\u00fccklicherweise bekam diese Angewohnheit einen Knacks, teilweise durch eine Maus.<\/p>\n<div id=\"attachment_216\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-216\" class=\"wp-image-216 size-large\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Bir-Labrang1--1024x694.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"694\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Bir-Labrang1--1024x694.jpeg 1024w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Bir-Labrang1--300x203.jpeg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Bir-Labrang1--768x521.jpeg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Bir-Labrang1--1080x732.jpeg 1080w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-216\" class=\"wp-caption-text\"><em>Die alte Bir Labrang im Bau. Foto: Mal Watson.<\/em><\/p><\/div>\n<p>1990 war ich gerade damit besch\u00e4ftig, die Dzongsar Shedra im indischen Bir zu gr\u00fcnden, die sich inzwischen zu etwas namens <em>Deer Park<\/em> gewandelt hat. Wir waren damals ziemlich arm; einmal hatte ich nur einen einzigen gr\u00fcnen 5-Rupie-Schein in meiner Brieftasche. Wir lebten von Lebensmittelrationen, die die amerikanische Regierung f\u00fcr tibetische Fl\u00fcchtlinge bereitstellte, haupts\u00e4chlich Gerste und manchmal Weizen. Sie kamen in gro\u00dfen S\u00e4cken, auf denen betende H\u00e4nde abgebildet waren. Zehn S\u00e4cke Gerste reichten aus, um 25 M\u00f6nche etwa einen Monat lang zu ern\u00e4hren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-211\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Food-Bags_1-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Food-Bags_1-300x168.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Food-Bags_1.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-228\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/rpuppee-300x166.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/rpuppee-300x166.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/rpuppee.jpg 301w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Wenn kein Geld mehr da war, um den Bau fortzusetzen, mussten wir einfach pausieren und warten, bis sich neue Mittel auftaten. Damals setzte ich auf eine starke \u201eEs wird schon irgendwie klappen\u201c \u2013 Einstellung, eine Haltung, die mit den Jahren schw\u00e4cher geworden ist.<\/p>\n<p>Es war eigentlich gut, wenn mir das Geld ausging, denn so konnte ich die Zeit f\u00fcr ein Retreat nutzen. Einmal beschloss ich, ein einmonatiges Retreat Yeshe Tsogyal zu widmen, der Gef\u00e4hrtin von Guru Rinpoche (die die Tibeter im Allgemeinen und insbesondere die Nyingmapas f\u00fcr all ihre Verdienste ebenso verehren sollten wie Guru Rinpoche und K\u00f6nig Trison Deutsen). Am Ende dieses Retreats r\u00e4umte ich meinen Schrein auf und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass eine Maus die R\u00fcckseite der <em>Torma<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><u>\u00a0<\/u><\/em>angefressen hatte. Die geschickte Maus war so vollendet pr\u00e4zise vorgegangen, dass die Vorderseite der Torma unversehrt blieb und ich es nicht bemerkte, obwohl ich sie einen ganzen Monat lang angesehen hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_231\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-231\" class=\"wp-image-231 size-large\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR-1024x657.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"657\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR-300x192.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR-768x493.jpg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR-1080x693.jpg 1080w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR.jpg 1762w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-231\" class=\"wp-caption-text\"><em>Orgyen Tobgyal Rinpoche fotografiert von Dzongsar Khyentse Rinpoche.<\/em><\/p><\/div>\n<p>Mein logischer Verstand sagte mir, dass sich da nur eine hungrige Maus bedient hatte. Mein Schrein war offen, nicht in einem Schrank, also warum nicht? Aber dann tauchte Orgyen Tobgyal Rinpoche, der K\u00f6nig der Wahrsager, auf und sprach seine Wahrsagungen, und als ich ihm erz\u00e4hlte, dass meine Torma aufgegessen worden war, redete er nicht um den hei\u00dfen Brei herum. \u201eDas ist ein schlechtes Zeichen\u201c, knurrte er. Er war sehr direkt. Selbst der skeptischste Mensch w\u00fcrde sich daran st\u00f6ren, wenn ein Handleser so offen spr\u00e4che.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter erhielt ich einen Anruf aus Bhutan von Dasho Pema Wangchen, dem Privatsekret\u00e4r des vierten K\u00f6nigs. Damals war es etwas ganz Besonderes, in Bir einen Anruf zu erhalten, egal von wem. Das Telefon klingelte nur etwa dreimal im Jahr. Selbst um nach Baijnath<u><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><span>[ii]<\/span><\/a><\/u>\u00a0zu telefonieren, musste man das Gespr\u00e4ch einige Stunden im Voraus bei einer Telefonistin anmelden, um die Verbindung zu sichern. Viel sp\u00e4ter erfuhr ich, dass die Menschen in Bhutan Dasho Pema Wangchen gebeten hatten, mich anzurufen, weil niemand sonst den Mut hatte, mir die Nachricht zu \u00fcberbringen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-225 aligncenter\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Phone-300x238.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Phone-300x238.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Phone.jpg 340w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Dashos Stimme war in der Leitung \u00fcberraschend klar zu h\u00f6ren und auch das, was er sagte, war sehr deutlich: \u201eDeine Mutter ist tot.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-215 alignleft\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/New-Orleans-Tarot-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/New-Orleans-Tarot-225x300.jpg 225w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/New-Orleans-Tarot-768x1024.jpg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/New-Orleans-Tarot.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Die Yeshe Tsogyal-Praxis, die ich gerade mit meiner von M\u00e4usen angefressenen Torma abgeschlossen hatte, war die wichtigste und vielleicht einzige Praxis, die meine Mutter jemals gemacht hatte. In diesem Moment geriet meine Skepsis auf einen Schlag ins Wanken. Von da an konnte ich nicht anders, als zu glauben. Das war eine der gr\u00f6\u00dften Ver\u00e4nderungen dieser Art, die ich je erlebt habe. Heute bin ich in jeder Hinsicht abergl\u00e4ubisch. Wenn ich jemanden mit einem leeren Eimer sehe, w\u00e4hrend ich mich auf eine Reise vorbereite, beeinflusst mich das. Und wenn ich durch die belebten Stra\u00dfen von New York oder New Orleans gehe und Tarotkartenleser, Hellseher oder Astrologen sehe, falle ich leicht auf sie herein. Im Positiven zeigte sich das, als mir ein Junge am letzten Tag der 21-t\u00e4gigen Tara-Puja [in Chauntra im Jahr 2017] seine Zeichnung von Arya Tara schenkte. Er hatte Tara einen Bart gemalt, sodass sie eher wie Guru Rinpoche aussah, und mein kleiner Geist war \u00fcbergl\u00fccklich. Ich dachte: Nat\u00fcrlich ist Tara Guru Rinpoche! So steht es also inzwischen um mich, dank jener Maus.<\/p>\n<div id=\"attachment_229\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-229\" class=\"size-medium wp-image-229\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Sartre-300x226.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Sartre-300x226.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Sartre.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-229\" class=\"wp-caption-text\"><em>Sartre<\/em><\/p><\/div>\n<p>Im Laufe der Jahre habe ich einige skeptische Menschen getroffen, die auf Rationalit\u00e4t und Logik setzten und sich f\u00fcr so scharfsinnig wie Falken hielten. Aber dieselben Menschen lagen sp\u00e4ter angsterf\u00fcllt und hoffnungslos auf ihrem Sterbebett. Ich w\u00fcsste zu gerne, wie Existentialisten wie Sartre und Camus dem Moment des Todes begegneten. Diese Kritiker haben ihren so geliebten scharfen Skeptizismus nie dazu genutzt, um dem Skeptizismus selbst skeptisch betrachten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-214\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Maya-and-Shudodana-250x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Maya-and-Shudodana-250x300.jpg 250w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Maya-and-Shudodana.jpg 656w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Buddha Shakyamuni, der jenseits von Karma war und Maya und Suddhodana als seine Eltern w\u00e4hlen konnte, werden wir so sehr von unserem Karma bestimmt, dass wir keine Wahl haben. Ich habe mir Thinley Norbu und Jamyang Choden nicht ausgesucht. Es war einfach eine Frage von Karma. Nur weil jemand deine Mutter oder dein Vater ist, hei\u00dft das nicht unbedingt, dass du sie liebst und umgekehrt, aber das h\u00e4lt niemanden davon ab, zu meinen, dass es so sein sollte.<\/p>\n<p>Die H\u00e4lfte aller famili\u00e4ren Probleme weltweit entsteht durch diese unn\u00f6tige Erwartung. Anstatt auf Karma zu vertrauen, gehen sie letztendlich davon aus, dass Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern lieben sollten. Das einzig Gute an dieser Annahme ist, dass sie sehr vielen Therapeuten Arbeit verschafft. Auch ich bin durchaus Gefangener meiner Unterstellungen und Erwartungen gegen\u00fcber meinen Eltern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-210 size-full\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Dzongsar-Khyentse-photo-copy.jpg\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"779\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Dzongsar-Khyentse-photo-copy.jpg 790w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Dzongsar-Khyentse-photo-copy-300x296.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Dzongsar-Khyentse-photo-copy-768x757.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/>Meine Sehnsucht nach meiner Mutter nahm mit den Jahren zu, besonders nach ihrem Tod. Nach meinem achten Lebensjahr hatte ich insgesamt nur noch wenige Monate mit ihr verbracht. Und ich kann mich ganz sicher nicht an ein gemeinsames Familienpicknick erinnern. Ein Rinpoche dieser Generation zu sein, bedeutete, von meiner Familie getrennt zu leben. Heute sind es die Eltern, die das Leben eines Tulku dominieren, sie verbringen die Feiertage zusammen, sie leben sogar zusammen und \u2013 du liebe G\u00fcte \u2013 sie feiern gemeinsam Weihnachten und Thanksgiving. In meiner Familie gab es nie ein Erntedankfest, ein Familientreffen oder gar eine Neujahrsfeier. Es gibt kein einziges Gruppenfoto, auf dem wir alle zusammen zu sehen sind.<\/p>\n<p>Ich bin in einer patriarchalischen Gesellschaft aufgewachsen, in der Frauenrechte keine gro\u00dfe Rolle spielten. Als ich die Welt au\u00dferhalb dieser Gesellschaft erkundete, lernte ich Frauen sch\u00e4tzen und wurde zu jemandem, der Geschlechtervorurteile f\u00fcr falsch h\u00e4lt. Meine Mutter hatte nie das Recht, Entscheidungen \u00fcber mich zu treffen. Wie h\u00e4tte sie sich f\u00fchlen sollen, als ich, ihr erster Sohn, f\u00fcr alle Zeiten zum Tulku ernannt wurde, eine Aufgabe, die man weder k\u00fcndigen noch niederlegen kann? \u00dcbergl\u00fccklich?<\/p>\n<p>Obwohl sie sich niemals gegen meine Anerkennung als Tulku gestellt h\u00e4tte, und sich nicht dagegen wehrte, dass ich weggebracht wurde, bekam sie nicht einmal die M\u00f6glichkeit, ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern. Damals hatten Eltern kein Mitspracherecht, wenn es um Tulkus ging. Das Kind war einfach weg.<\/p>\n<p>Das bisschen Erinnerung, die ich an sie habe, ist, dass sie immer irgendwie allein war. Mein Vater war nie wirklich da. Sie hat die beiden j\u00fcngsten Kinder im Grunde genommen alleine gro\u00dfgezogen. Ich kann mir nur vorstellen, wie ihr Leben gewesen sein muss, umgeben von einer Gesellschaft, die so strenge Vorstellungen davon hatte, was richtig und was falsch ist. Als Ehefrau von Dudjom Rinpoches \u00e4ltestem Sohn und als Tochter von Lama Sonam Zangpo musste sie sich benehmen \u2013 nicht, dass sie jemals dazu geneigt h\u00e4tte, sich schlecht zu benehmen, das lag nicht in ihrer Art.<\/p>\n<div id=\"attachment_207\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-207\" class=\"size-medium wp-image-207\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Aum-Kinley-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Aum-Kinley-225x300.jpg 225w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Aum-Kinley-768x1024.jpg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Aum-Kinley-1080x1440.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-207\" class=\"wp-caption-text\"><em>Aum Kuenga<\/em><\/p><\/div>\n<p>Sie kleidete sich immer sehr schlicht \u2013 eine einfache bhutanische <em>Kira <\/em>oder eine tibetische <em>Chuba <\/em>in gedeckten Farben \u2013 und sie war eine talentierte Weberin. Sie war sehr begabt, aber in dieser von M\u00e4nnern dominierten Gesellschaft hatte sie nie eine Chance, ihr Talent zu entfalten. Nur eine Sache, die sie f\u00fcr mich angefertigt hat, eine Bettdecke, ist mir geblieben. Die Mutter meines Begleiters Phuntsok, Aum Kuenga, war ihre gute Freundin, und wenn ich sie jetzt sehe, \u00fcberkommt mich immer ein Gef\u00fchl der Sehnsucht nach meiner Mutter.<\/p>\n<p>Sie war eine Frau weniger Worte, eine ihrer beeindruckendsten Eigenschaften. Ich habe viele Menschen getroffen, die mehr Ehrfurcht vor ihr hatten als vor meinem Vater, obwohl mein Vater ihr \u00fcbergeordnet war, sie dominierte und das dominante Geschlecht war. Und obwohl er st\u00e4ndig alle schalt, war sie irgendwie diejenige, die still und leise die tiefste Verehrung aller gewann. Ein einziges Wort von ihr hatte mehr Wirkung als eine Woche langes Schimpfen meines Vaters. Die Menschen achteten in ihrer Gegenwart auf ihr Verhalten und benahmen sich in ihrer N\u00e4he anst\u00e4ndiger als in seiner.<\/p>\n<div id=\"attachment_212\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-212\" class=\"size-medium wp-image-212\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529-168x300.jpg\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529-168x300.jpg 168w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529-768x1368.jpg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529-575x1024.jpg 575w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529-1080x1924.jpg 1080w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><p id=\"caption-attachment-212\" class=\"wp-caption-text\">Mama<\/p><\/div>\n<p>Ich habe meinem Vater oder meiner Mutter nie gesagt, &#8222;ich vermisse dich&#8220;. Selbst wenn ich die Gelegenheit dazu bek\u00e4me, w\u00fcrde ich es auch heute nicht tun. Das ist in unserer Kultur einfach nicht \u00fcblich. Es w\u00e4re \u00e4u\u00dferst seltsam. Heutzutage sagen Tulkus ihren Eltern st\u00e4ndig, dass sie sie lieben und vermissen. Vielleicht haben sie <em>Drei M\u00e4dchen und drei Jungen<\/em> <a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><span>[iii]<\/span><\/a>\u00a0oder <em>Modern Family<\/em> gesehen. Bei dem Gedanken, dass mein Vater \u201eIch liebe dich\u201c sagt, schaudert es mich. Ich war viel mehr daran gew\u00f6hnt, dass er mich beschimpfte. Er schalt mich wegen allem, von der zu grelle Farbe meines Hemdes bis zu meinen zu lauten Schritten. Schalt er mich einmal nicht, fragte ich mich gleich, was los sei. Ich finde es wichtig, dass Eltern darauf achten, wie sie sich vor ihren Kindern verhalten. Die Erinnerungen daran, wie mein Vater meine Mutter bei seinen seltenen Besuchen zu Hause beschimpfte, haben mich stark gepr\u00e4gt. Trotz aller Ungleichheit und schwierigen Situationen pries sie meinen Vater immer und sprach aufrichtig \u00fcber ihn, wobei sie ihn Dungse Rinpoche nannte. Die Psychoanalytiker h\u00e4tten uns wahrscheinlich gerne als Patienten aufgenommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_233\" style=\"width: 227px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-233\" class=\"size-medium wp-image-233\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/sigmund-freud-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/sigmund-freud-217x300.jpg 217w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/sigmund-freud.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><p id=\"caption-attachment-233\" class=\"wp-caption-text\"><em>Sigmund Freud<\/em><\/p><\/div>\n<p>Einige Jahre vor ihrem Tod begann meine Mutter Dinge zu sagen wie: \u201eWenn ihr alle weg seid, wenn ihr mich verlassen habt, werde ich dies oder jenes tun.\u201c Es schien, als w\u00fcrde sie damit rechnen, allein gelassen oder ausgeschlossen zu werden, was mich immer verwirrte und fast \u00e4rgerte. Ein Nachfahre Freuds h\u00e4tte bei ihr vielleicht eine Art \u201eEmpty-Nest-Syndrom\u201c diagnostiziert. Aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Ehe bekam sie nie die Chance, meine Mutter zu sein. W\u00e4re sie keine gro\u00dfartige Dharma-Praktizierende gewesen, h\u00e4tte sie es viel schwerer gehabt. Und sie war, soweit ich mich erinnere, eine gro\u00dfartige Dharma-Praktizierende.<\/p>\n<p>Ich meinerseits empfinde ein gemischtes Bedauern, weil die Jahre der Trennung ein Gef\u00fchl der Distanz geschaffen haben. Doch wer kann schon die Bindung zwischen Mutter und Sohn zerst\u00f6ren? Auch wenn die gemeinsame Zeit nur kurz war, war meine Verbindung zu meiner Mutter und meinem Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits sehr stark. R\u00fcckblickend bin ich froh, dass ich in meinen Zwanzigern darauf bestand, dass mich meine Mutter in die Schweiz, nach Malaysia und China begleitete. Diese drei Reisen waren zwar kurz, aber sie machten die l\u00e4ngste Zeit aus, die wir zusammen verbracht haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-213\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/jampel-and-tnr-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/jampel-and-tnr-225x300.jpg 225w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/jampel-and-tnr-768x1024.jpg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/jampel-and-tnr-1080x1440.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Ich glaube, einer der Gr\u00fcnde, warum ich meinen Bruder Jampel Dorje so besonders gern habe und ihm immer verzeihe, wenn er nervt, ist, dass er meiner Mutter und meinem Gro\u00dfvater so \u00e4hnlich ist, sowohl vom Gesicht her als auch in seinen Handbewegungen. Er war das Geschwisterkind, das die l\u00e4ngste Zeit mit meiner Mutter verbrachte, und sie liebte ihn besonders, weil er irgendwie lustig und verr\u00fcckt ist. Jampel Dorje sabbert, wenn er spricht, und k\u00fcrzlich habe ich festgestellt, dass ich das auch tue. Das kann DNA alles bewirken.<\/p>\n<p>Wenn wir doch einmal Zeit miteinander verbrachten, behandelte mich meine Mutter nicht wie ihren Sohn, sondern wie die Inkarnation von Jamyang Khyentse Ch\u00f6kyi Lodr\u00f6. Das verlangt die Gesellschaft von der Mutter eines Tulku. Aber ihre Hingabe war echt. Sie machte sehr viele Niederwerfungen vor mir. Umarmungen und Kuscheln kamen nicht in Frage, Zuneigung wurde anders ausgedr\u00fcckt. Als ich einmal in Phuntsholing war und dringend Bargeld brauchte, war meine Mutter die Erste, an die ich mich ohne Bedenken wenden konnte. Ich bat sie, meinen alten Fernseher zu kaufen, und sie zahlte den vollen Neupreis. Es war ein gutes Gesch\u00e4ft f\u00fcr mich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-234 size-large\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-1024x640.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-1024x640.jpg 1024w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-300x188.jpg 300w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-768x480.jpg 768w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-400x250.jpg 400w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-1080x675.jpg 1080w, https:\/\/mugwortborn.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>In ihren letzten Lebensjahren wohnte sie in Thimphu in einem Vier-Zimmer-Haus direkt \u00fcber dem Memorial Stupa, den mein Vater entworfen hatte. Ich erinnere mich, dass ich manchmal zum Baden dorthin ging; sie hatte einen gro\u00dfen Eimer mit einem elektrischen Stab, um das Wasser zu erhitzen. Sie warnte mich immer wieder, das Wasser nicht zu ber\u00fchren, wenn der Heizstab eingeschaltet war. Das war ihre Art, mir ihre F\u00fcrsorge und Zuneigung zu zeigen. So kam es doch einige Male vor, dass sie mit mir als ihrem Sohn sprach, nicht als Jamyang Khyentse Ch\u00f6kyi Lodr\u00f6.<\/p>\n<p>Um noch einmal auf den Aberglauben zur\u00fcckzukommen: Die Tibeter glauben an etwas, das sie <em>\u201eLha\u201c <\/em>nennen, was so etwas wie \u201eSeele\u201c ist. Einmal war ich in Nepal, um Einweihungen und Unterweisungen von allen gro\u00dfen Meistern zu erhalten, die zu dieser Zeit dort lebten. Meine Mutter war auch dort und wohnte in einem Haus, das mein Vater gebaut hatte. Mein Vater hatte ihr einige amerikanische Dollar gegeben, im Wert von etwa 100.000 nepalesischen Rupien. Eines Tages kletterte ein Dieb auf einen Baum, brach in ihr Zimmer ein und stahl das Geld. Sie f\u00fchlte sich deswegen furchtbar schlecht und erholte sich nie wieder von diesem Schuldgef\u00fchl, vor allem weil das Geld von meinem Vater stammte. Vielleicht bildete ich mir das nur ein, aber ich hatte das Gef\u00fchl, dass sie ihr Strahlen, ihr Lha, verloren hatte und es nie wieder zur\u00fcckgewann. Sie wurde zunehmend introvertiert. Und dann tauchte langsam ihre Schilddr\u00fcsenerkrankung auf. Ich versuchte, sie zu tr\u00f6sten, und selbst Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche, so mitf\u00fchlend, rief sie an, um sie aufzumuntern. Aber irgendwie lie\u00df sie diese Last nie los.<\/p>\n<p>Bald darauf ging ich nach Bir und machte das Yeshe Tsogyal-Retreat. Ich kann nicht umhin, als \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge der Ereignisse nachzudenken. Ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr meine Mutter und f\u00fcr alle M\u00fctter der Vergangenheit und Zukunft, dass ich und sie allesamt \u00fcber Aberglauben und Logik hinausgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><span>[i]<\/span><\/a><span> \u00a0<\/span>Eine ziemlich wichtige tantrische Substanz, die aus ger\u00f6stetem Getreide hergestellt und normalerweise mit farbiger Butter verziert wird.<br \/><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><span>[ii]<\/span><\/a> Der Ort liegt etwa 15 Minuten die Stra\u00dfe hinunter von Bir entfernt.<br \/><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><span>[iii]<\/span><\/a> The Brady Bunch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Teenager studierte ich fast ein Jahrzehnt lang buddhistische Philosophie, auch wenn ich dabei vielleicht nicht viel gelernt habe. Es gelang mir jedoch, eine hohe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr den skeptischen Geist zu entwickeln, was mich engstirnig werden lie\u00df. Meine Studien machten mich arrogant und vernebelten meine reine Wahrnehmung. Ich begann, Skeptiker zu idealisieren, die an Aberglauben, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3549,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"[caption id=\"attachment_209\" align=\"aligncenter\" width=\"720\"]<img class=\"wp-image-209 size-full\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DJK-debating-copy.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"540\" \/> <em>Debating<\/em>[\/caption]\r\n\r\nI studied Buddhist philosophy for almost a decade in my teens,\u00a0even though I may not have succeeded in learning much. I did succeed in becoming narrow minded by developing a high regard for the skeptical mind. My studies made me arrogant and blinded my pure perception. I began to idealize skeptics who doubted superstitions, blessings, and devotion. I'm sure if I had known who Erich Fromm and Nietzsche were at that time, I probably would have placed them on the same pedestal as Shakyamuni.\r\n\r\nWhen I was studying at Sakya college my father repeatedly scolded me for wasting time on all this logic and philosophy. I didn't understand. Any other father would be so happy to have a son who was putting effort into his studies. Years later it became clear: These scoldings were coming from someone who understood the blindness of logic and appreciated the taste of practice.\r\n\r\nSo\u00a0I developed this habit of looking down on things that couldn't be explained by logic, but luckily that habit was broken, partly because of a mouse.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_216\" align=\"aligncenter\" width=\"1024\"]<img class=\"wp-image-216 size-large\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Bir-Labrang1--1024x694.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"694\" \/> <em>Old Bir Labrang under construction. Photo by Mal Watson.<\/em>[\/caption]\r\n\r\nIn 1990, I was in the middle of trying to establish Dzongsar Shedra in Bir, India, which has now metamorphosed into something called Deer Park. We were quite poor then; at one point I had only one single green 5 rupee note in my wallet. We survived on food rations that the American government provided for Tibetan refugees, mostly barley and sometimes wheat. It came in big sacks emblazoned with an image of two hands clasped. Ten sacks of barley was enough to feed 25 monks for about a month.<img class=\"alignleft size-medium wp-image-211\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Food-Bags_1-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" \/>\r\n\r\nWhen there was no money to continue <img class=\"alignleft size-medium wp-image-228\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/rpuppee-300x166.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"166\" \/>construction, we just had to pause and wait until some funds materialized. I relied on a strong \"something will work out\" attitude back then, an attitude that has become weaker over time.\r\n\r\nIt was actually good when the money ran out, because I could take advantage of the time to do retreat. One time I decided to do a one-month retreat dedicated to Lady Yeshe Tsogyal, the consort of Guru Rinpoche (whom Tibetans in general and especially Nyingmapas should revere on the same level as Guru Rinpoche and King Trison Deutsen for all that she has done). \u00a0At the end of this retreat, I was clearing my shrine and to my amazement I discovered that the back of the <em>torma<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref\">[1]<\/a><\/em> had been eaten by a mouse. This skillful mouse had been so perfect and precise, leaving the front of the torma intact so that I hadn't noticed, even though I had been looking at it for a whole month.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_231\" align=\"alignleft\" width=\"1024\"]<img class=\"wp-image-231 size-large\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/OTR-by-DJKR-1024x657.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"657\" \/> <em>Photo of Orgyen Tobgyal Rinpoche by Dzongsar Khyentse Rinpoche.<\/em>[\/caption]\r\n\r\nMy logical mind said it's just a mouse, it needs food. My shrine was out in the open, not in a cabinet, so why not? But then Orgyen Tobgyal Rinpoche, the king of soothsayers, showed up saying his soothsaying things and when I told him that my torma had been eaten, he didn't beat around the bush. \"That's a bad sign,\" he growled. He was so direct. Even the most skeptical person would be bothered by a gypsy soothsayer being so frank.\r\n\r\nTwo days later, I received a call from Bhutan from Dasho Pema Wangchen, who was the private secretary to the 4th King of Bhutan. Back then, it was a really big deal to receive a call in Bir, from anyone. The phone rang only about three times a year. To place a call even just to Baijnath<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref\">[2]<\/a> you had to book with a telephone operator a few hours in advance to reserve the connection. Much later, I gathered that people in Bhutan had nominated Dasho Pema Wangchen to call me because no one else had the courage to deliver the message.\r\n\r\n<img class=\"size-medium wp-image-225 aligncenter\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Old-Phone-300x238.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"238\" \/>Dasho's voice was surprisingly clear on the line and what he said was also very clear. \"Your mother is dead.\"\r\n\r\n<img class=\"size-medium wp-image-215 alignleft\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/New-Orleans-Tarot-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>The Yeshe Tsogyal practice that I had just completed with my mouse-eaten torma was the main and maybe only practice that my mother ever did. So my skeptical mind made a shift right then and there. From that time onward, I couldn't help but be a believer. This was one of the biggest shifts of this nature that I ever had. Now I am superstitious about everything. If I see someone carrying an empty bucket when I am about to go on a trip, that affects me. And when I walk around on the busy streets of New York or New Orleans, when I see tarot card readers, psychics, astrology readers, I easily fall for them. On the positive side, on the last day of the 21-day Tara puja [in Chauntra in 2017], a child offered me his sketch of Arya Tara. But he had put a beard on Tara so that she looked more like Guru Rinpoche and my small mind was overjoyed. I\u00a0thought of course Tara is Guru Rinpoche! So that's where I am now, thanks to that mouse.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_229\" align=\"alignleft\" width=\"300\"]<img class=\"size-medium wp-image-229\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Sartre-300x226.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"226\" \/> <em>Sartre<\/em>[\/caption]\r\n\r\nOver the years, I have met certain skeptical individuals who coasted on the wings of rationality and logic and fancied\u00a0themselves to be as sharp as\u00a0hawks. But years later, those same people were lying in their deathbeds filled with fear and hopelessness. I am really curious how existentialists like Sartre and Camus looked at the moment of death. These critics never used the sharp skepticism they were so fond of to be skeptical of the skepticism.\r\n\r\n<img class=\"alignleft size-medium wp-image-214\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Maya-and-Shudodana-250x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"300\" \/>Unlike Shakyamuni Buddha, who was beyond karma, and who could choose Maya and Suddhodana to be his parents, we are so dictated by our karma; we don't get to choose. I didn't choose Thinley Norbu and Jamyang Choden. It was just a matter of karma.\u00a0\u00a0Just because someone is your mother or father, that doesn't necessarily mean you love them and vice versa, but that hasn't stopped everyone from thinking that they should. Half of the world's family problems come from that unnecessary expectation. Instead of trusting karma, they end up trusting the assumption that parents should love their children and children should love their parents. The only good that comes of this assumption is that it gives employment to so many therapists. I too am very much a prisoner of my assumptions and expectations regarding my parents.\r\n\r\n<img class=\"alignleft wp-image-210 size-full\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Dzongsar-Khyentse-photo-copy.jpg\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"779\" \/>My nostalgia about my mother has grown over time, and especially after she died. After age 8, I had spent a total of only a few months in her company. And I certainly don't remember ever going to a family picnic. Being a rinpoche of that generation meant being estranged from my family. Today the tulku life is dominated by parents, they spend holidays together, they even live together and\u2014for goodness sake\u2014they have Christmas and Thanksgiving gatherings. There was never a Thanksgiving or a family reunion or even a New Year celebration in my family. There has never been a group photo of all of us together.\r\n\r\nI grew up in a patriarchal society that didn't care much for women's rights. As I have explored the world outside that society, I've come to appreciate women and have become one of those who think that gender bias is not a good thing. My mother was never given any right to make decisions about me. How was she supposed to feel when her first son, me, was drafted as a tulku forever, a job that doesn't have an option for firing or resigning. Overjoyed? Although she would never have opposed my being recognized as a tulku and did not resist my being taken away, she was never even given a chance to voice her opinion. In those days parents had no say over the tulkus. The child was just gone.\r\n\r\nThe little memory I have is that she was always kind of alone. My father was never really there. She raised the two youngest kids basically by herself. I can only imagine what her life was like, surrounded by a society that had such strong concepts about what is right and wrong. As the consort of Dudjom Rinpoche\u2019s eldest son and as the daughter of Lama Sonam Zangpo, she had to behave\u2014not that she was ever inclined to misbehave, that was not in her nature.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_207\" align=\"alignleft\" width=\"225\"]<img class=\"size-medium wp-image-207\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Aum-Kinley-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/> <em>Aum Kuenga<\/em>[\/caption]\r\n\r\nShe always dressed so simply\u2014 a plain Bhutanese <em>kira<\/em> or a Tibetan <em>chuba<\/em> in dull colors\u2014 and she was a talented weaver. She was so capable, but her talents were never given a chance to blossom in that male-dominated society. Only one thing she made for me, a bedcover, remains in my possession. My attendant Phuntsok\u2019s mother Aum Kuenga\u00a0was her good friend, and now whenever I see her, I get that nostalgic feeling for my mother.\r\n\r\nShe was a woman of few words, which was one of her most awe-inspiring qualities. I met many people who were more in awe of her than of my father, even though my father outranked her, overpowered her, and was the dominant gender. And even though he scolded everyone all the time, somehow she was the one who quietly earned their deepest reverence. One word from her had more impact than a week of my father's scoldings.\u2028 People watched their behavior in her presence and acted more properly around her than around him.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_212\" align=\"alignleft\" width=\"168\"]<img class=\"size-medium wp-image-212\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_1529-168x300.jpg\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"300\" \/> Mum[\/caption]\r\n\r\nI never said \"I miss you\" to my father or mother. Given the chance, I would still not do it. Culturally it's not there. It would be so strange. But these days tulkus say I love you and I miss you to their parents all the time. Maybe they've watched The Brady Bunch or Modern Family. My skin cringes at the thought of my father saying \"I love you.\" I was much more accustomed to him scolding me. He would scold me for everything from the color of my shirt being too bright to my footsteps being too loud. In fact, if he didn't scold me, I'd wonder what was wrong. I think it's it important for parents to pay attention to how they manifest in front of their children. The memories I have of my father scolding my mother during his rare visits home made a strong impression on me. Through all the disparity and difficult situations, she would still always praise and speak genuinely of my father, referring to him as Dungse Rinpoche. The analysts would probably have been eager to take us on as patients.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_233\" align=\"alignleft\" width=\"217\"]<img class=\"size-medium wp-image-233\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/sigmund-freud-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" \/> <em>Sigmund Freud<\/em>[\/caption]\r\n\r\nA few years before my mother passed away, she began saying things like, \u201cWhen you are all gone, when you have abandoned me, I will do this or that.\u201d It seemed she was expecting to be left alone or not included, which always puzzled and almost annoyed me. A lineage holder of Freud might have diagnosed her as having a bit of an empty nest syndrome. Because of who she was and who she was married to, she never had the opportunity to be a mother. If she had not been a great dharma practitioner, she would have had a much harder time. And she was, from what I recall, a great dharma practitioner.\r\n\r\nFrom my side, there is a mixture of regret because the years of separation created a sense of distance. But who can break a mother and son bond? Even though the time was brief, my connection with my mother and my maternal grandfather was so strong. Looking back, I'm glad that I insisted that my mother travel with me to Switzerland, Malaysia, and China when I was in my twenties. These three journeys, albeit short, made up the most time we spent together.\r\n\r\n<img class=\"alignleft size-medium wp-image-213\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/jampel-and-tnr-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>I think one of the reasons I have a special fondness for my brother Jampel Dorje, and why I always forgive him for being obnoxious, is because he resembles my mother and grandfather so much, his features and even just the movement of his hands. He was the sibling who spent the most time with my mother, and she loved him particularly because he\u2019s kind of funny and crazy. Jampel Dorje drools when he talks and I realized recently that I do that too. This is what DNA can do.\r\n\r\nWhen we did manage to spend some time together, my mother's approach to me was not as her son but as the incarnation of Jamyang Khyentse Ch\u00f6kyi Lodr\u00f6. This is what society demands of a tulku's mother. But she had genuine devotion. She did so many prostrations to me. Hugging and cuddling up with her was out of the question, affection was shown in other ways. Once when I was in Phuntsholing and desperately needed cash, the first person I had no qualms leaning on was my mother. I asked her to buy my old television, and she paid the full original price. It was a good deal for me.<img class=\"aligncenter wp-image-234 size-large\" src=\"https:\/\/mugwortborn.wpengine.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/National-Memorial-Chorten-1024x640.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"640\" \/>\r\n\r\nIn her last years, she stayed in Thimphu in a four-room house right above Memorial Stupa, which my father designed. I remember going there to bathe sometimes; she had a big bucket with an electric rod to heat the water. She warned me again and again not to touch the water if the switch was on. This was her way of showing her concern and affection. So there were a few times that she spoke to me as her son, not as Jamyang Khyentse Ch\u00f6kyi Lodr\u00f6.\r\n\r\nComing back to superstition, Tibetans believe in something called <em>lha<\/em>, which is like soul. Once I was in Nepal receiving initiations and teachings from all the great masters who were living there at that time. My mother was also there, living in a house that my father had built. My father had given her some American dollars, worth about 100,000 Nepali rupees. One day a thief climbed a tree, broke into her room, and stole the money. She felt so bad about this, and she never recovered from that sense of guilt, especially because the money was from my father. It could have been my imagination, but I felt that she lost her radiance, her lha, and never recovered it. She became introverted. And then slowly her thyroid sickness came. I tried to console her, and even Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche, ever so compassionate, called her on the phone to cheer her up. But somehow that burden never left her.\r\n\r\nSoon after that I went to Bir and did the Yeshe Tsogyal retreat. I can't help but wonder about the connections. I hope for my mother , and for all the mothers of the past and the future, that I and they will go beyond superstition and logic.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"#_ftnref\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quite an important tantric substance which are made of grains and usually decorated with colored butter.\r\n\r\n<a href=\"#_ftnref\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> The village just 15 minutes down the road from Bir.","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"project_category":[88],"project_tag":[],"class_list":["post-3547","project","type-project","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","project_category-episodes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project\/3547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project"}],"about":[{"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/project"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3547"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project\/3547\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3549"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"project_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project_category?post=3547"},{"taxonomy":"project_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mugwortborn.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project_tag?post=3547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}